Während Israel in einer Wahl die Zusammensetzung seines Parlaments bestimmt, zerstört seine Armee weiterhin die Existenz palästinensischer Menschen im Westjordanland mit einer Militäraktion in Hebron 24.10. - 02.11.2026.
Baher S. kehrte am 2.11.2026 in sein Haus im Hebroner Stadtteil Khalet al-Maghariba zurück. Vor 9 Tagen hatte die israelische Armee ihn, seine Frau und seine vier Kinder und etwa 5.000 Palästinenser aus ihren Häusern vertrieben.
Das Haus, in das sie zurückkehrten, war geplündert. Soldaten hatten das Haus mehrere Tage lang besetzt, Schränke durchwühlt, Fenster und Türschlösser eingeschlagen und Haushaltsmöbel und andere Habseligkeiten beschädigt.
Als Vorwand für diesen Angriff der israelischen Armee auf Hebron dienste ein Anschlag zweier palästinensischer Bewaffneter auf einen Militärkontrollpunkt in der Stadt am 23. Oktober, bei dem zwei israelische Soldaten getötet wurden, bevor sie selbst getötet wurden.
Das israelische Militär riegelte vor seinem Überfall alle Eingänge zur Stadt hermetisch ab, vertrieb fast 5.000 Palästinenser und zerstörte zahlreiche Gebäude. Den Familien in den Vierteln Al-Jalda und Deir Bahha mussten ihre Häuser verlassen, während die Bewohner anderer Viertel einer strengen Militärabsperrung unterworfen waren. 80.000 Schüler konnten in dieser Zeit nicht zur Schule, die Versorgung mit Lebensmitteln war für zahlreiche Familien unmöglich. Das zivile leben in Hebron war total zerstört.
Nach Informationen des Menschenrechtlers Isso Amro sind unter den Vertriebenen 312 chronisch Kranke, 44 Behinderte und 216 schwangere oder stillende Frauen sowie 336 Kleinkinder unter zwei Jahren. Amro rief die Vereinten Nationen und humanitäre Organisationen auf, einzuschreiten, um weitere Vertreibungen und Häuserzerstörungen zu verhindern. „Hebron darf nicht vergessen werden“, schrieb er auf dem Kurznachrichtendienst X (Twitter).
Die israelische Armee zog sich im Morgengrauen des 2. November aus den besetzten Vierteln zurück und hinterließ eine verwüstete Stadt. Viele Häuser im Stadtteil Khallet al-Maghariba erlitten schwere Schäden oder wurden verwüstet. Nach israelischen Angaben wurden insgesamt vier Waffen beschlagnahmt hatte.
Während der Operation zerstörten israelische Streitkräfte 15 Häuser und andere Gebäude und zwangen 327 Geschäfte zur Schließung, was einen schweren Tribut von der Wirtschaft der Stadt forderte. Auf die Stadt entfallen etwa 40 Prozent der palästinensischen Industrieproduktion im Westjordanland und 30 Prozent der Exporte. Durch die Schließung ganzer Gebiete und Beschränkungen der Bewegungsfreiheit von Arbeitern und Waren kam es zum Stillstand von Fabriken, Märkten und Lieferketten, während Unternehmen und Geschäfte um ihren Betrieb kämpften.
Adnan al-Natsheh, stellvertretender Vorsitzender der Industrie- und Handelskammer von Hebron, sagte, die direkten Verluste durch die Schließungen lägen bei etwa 3,2 bis 3,8 Millionen Dollar.
Zu den Hintergründen des Anschlags: umgeben von 200.00 Palästinensern leben im Zentrum Hebrons (H2-Gebiet) mit etwa 40.000 Menschen, das vollständig unter israelischer Militärkontrolle steht, etwa 800 - 1000 jüdische Siedler, die bewaffnet im Schutze des israelischen Militärs die palästinensische Bevölkerung terrorisiert. Seit Jahrzehnten ist Hebron eine der am stärksten von der israelischen Besatzung kontrollierten Städte. Nach Angaben der Vereinten Nationen befinden sich in der Stadt außerdem etwa 40 Prozent der 89 Hauptkontrollpunkte des Westjordanlandes und 11 Prozent aller 925 Bewegungshindernisse in dem Gebiet. Zahlreiche palästinensische Geschäfte in der Innenstadt mussten in den letzten Jahren schließen. Die Hauptgeschäftsstraße, die Shuhada-Street ist für Palästinenser unzugänglich.
Dass Israel ein grausames, palästinensisches Leben zerstörendes Besatzungsregime im Westjordanland errichtet hat, wird von der UNO als völkerrechtwidriges Verbrechen bezeichnet und als ein Verstoß gegen die Antirassismus-Erklärung und die Anti-Apartheid-Erklärung gewertet.
Die UN-Agentur für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) am 27. Oktober sieht in der Militäraktion in Hebron Parallelen zur dauerhaften Vertreibung von von Palästinensern aus den Flüchtlingslagern Jenin, Nur Shams und Tulkarem im nördlichen Westjordanland 2025. Human Rights Watch kam zu dem Schluss, dass es sich dabei um Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit handelte.
Quelllen:
Drop Siite News (USA)
All-Jazzeera
Issa Amro auf X- BIP aktuell Nr.